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Rohölaustritt im Kavernenfeld Gronau-Epe

(Stand: Dezember 2016)

Die bei der Salzgewinnung entstandenen Hohlräume im Kavernenfeld Gronau-Epe werden überwiegend als Gasspeicher genutzt. Nur drei Kavernen dienen zur Einlagerung von Rohöl und stellen einen Teil der nationalen Energiereserve dar.

Im April 2014 ereignete sich ein Unfall, bei dem Rohöl durch einen Defekt an dem Steigrohr der Ölkaverne S5 in der Tiefe von 217 m mit hohem Druck ins umliegende Gebirge gepresst wurde und gerichtet durch geologisch-tektonische Strukturen nordöstlich der Kaverne S5 oberirdisch austrat.

Aufgrund der Art und des Ausmaßes des Umweltschadens waren erhebliche Boden- und Grundwassergefährdungen offensichtlich. Ferner ergab sich für eine Hofstelle im Schadensbereich sowie die gesamte landwirtschaftliche Nutzung im Umfeld eine akute Gefahrenlage. Es wurden ein Krisenstab und Arbeitsgruppen eingerichtet. Die Ing.-Gesellschaft Dr. Schleicher & Partner erhielt vom federführenden Bergamt Arnsberg den Auftrag zur Koordination und gutachterlichen Begleitung des Projektes.

Im Vordergrund standen zunächst Maßnahmen zur Gefahrenabwehr, die mit massiven Erdarbeiten, Sicherung von Gewässern und dem Schutz der Anlieger einhergingen. Von besonderer Bedeutung waren der Schutz der öffentlichen Wassergewinnung der Wasserwerke Gronau, Epe und Ahaus. Die Ölaustrittsstelle konnte durch Reduzierung des Druckes im Steigrohr unmittelbar nach Auftreten des Schadens gesichert werden, so dass kein weiteres Öl mehr freigesetzt wurde.

Parallel dazu erfolgten großräumig angelegte Erkundungsmaßnahmen durch Aufschlüsse unterschiedlichster Art, wie Baggerschürfe, Kleinrammbohrungen und Tiefbohrungen bis 300 m Tiefe. Es kamen seismische, elektromagnetische und chemisch-physikalische sowie eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen zur Ausführung. Firmen und Institute aus dem gesamten Bundesgebiet unterstützten mit ihrem know how die komplexen Maßnahmen. Nach der exakten Lokalisierung der Leckagestelle erfolgt die Reparatur des Steigrohres.

Alle Maßnahmen wurden durch ein enges Überwachungsraster und zunächst tägliche Wasserprobenahmen zur Sicherung der öffentlichen und privaten Wasserversorgung begleitet. Bisher wurden über 6.000 Proben analysiert.

Nachdem erkennbar war, dass der Nachfluss von Rohöl aus dem plastisch reagierenden Gebirge, bei dem es sich um mächtige Tonmergelsedimente handelt, nachlässt, begannen die Sanierungsuntersuchungen und die Aufstellung eines Sanierungsplanes nach dem Bundes-Bodenschutzgesetz. Die Sanierungsarbeiten schlossen sich unmittelbar an.

Ziel der Sanierung ist die weitgehende Dekontamination, die langfristige Sicherung des Schadens und die Rekonstruktion der Landschaft. Das Ziel wird durch den Betrieb von Tiefendränagen in den noch aktiven Bereichen erreicht. Die Sicherung der tiefen Ölverunreinigungen ist durch eine mehrere Dekameter mächtige geologische Barriere aus wasserstauendem Tonmergel gegeben.

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Abbildung 1: System der Tiefendränage mit Kunststoffdränageboxen, Grobschotter und Kontroll-/Pumpschächten. Anschließend wird darauf ein Vlies ausgelegt und der Boden rekonstruiert (18.10.2016).


Das Monitoring innerhalb der quartären Deckschichten und den Tiefenbereichen des Tonmergels wird bis auf weiteres fortgesetzt. Die Überwachung obliegt insbesondere dem Bergamt Arnsberg sowie der Unteren Wasser- und Bodenschutzbehörde des Kreises Borken.

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Abbildung 2: Restarbeiten nach abgeschlossener Sanierung auf Fundstelle 1. Der Boden wurde rekonstruiert und Oberboden ("Mutterboden") angedeckt (09.12.2016).


Die Kosten für die Maßnahmen zur Sicherung und Sanierung des Rohölschadens hat einen 2-stelligen Millionenbetrag erreicht. Sie werden vollständig vom Bergwerksbetreiber bzw. seiner Versicherung getragen.

Die Ingenieurgesellschaft Dr. Schleicher & Partner freut sich sehr über die unfallfreie Abwicklung der Erkundungs-, Sicherungs- und Sanierungsarbeiten, die sich über mehr als 2 ½ Jahre erstrecken.

Safety Award Bodensanierung Epe 2016 (PDF)

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